Von der Musikgesellschaft Edelweiss Märwil zur Brass Band Märwil

1907-1932

Am 1. Mai 1907 gründeten einige musikfreudige Jünglinge die Musikgesellschaft Edelweiss Märwil. In den ersten Statuten ist unter anderem folgendes zu lesen: Aufnahme finden nur solche Mitglieder, die in bürgerlichen Rechten und Ehren stehen, überhaupt einen sittlichen und ehrenhaften Charakter besitzen. 

Die Geldmittel für die Instrumente wurden aus der Gemeinde Märwil und Umgebung zusammengesteuert. 

Dreimal wöchentlich übte man im Hause der Familie Oettli. Ab 1912 fanden dann die Proben im alten Schulhaus (heute Kindergarten) statt. 

Sofort nach der Gründung wurde für jedes Mitglied eine „Kappe“ angeschafft. Erst 14 Jahre später kaufte der Verein grüne Uniformen zum Preis von Fr.180.-, und jeder Musikant hatte Fr. 40.- selber zu bezahlen. 

In diese erste Periode fiel der erste Weltkrieg, was zur Folge hatte, dass man die Proben zeitweise ausfallen liess, da zu viele Mitglieder im Aktivdienst weilten.


1932-1957

Zum 25-jährigen Bestehen der Musikgesellschaft wurde im Juli 1932 ein Fest im einfachen Rahmen (ohne Festhütte) unter Obstbäumen geplant. Immerhin meldeten 19 Musikvereine mit insgesamt 500 Musikern ihre Teilnahme an. 1500 Sitzplätze wurden bereitgestellt. Leider musste das Jubiläum wegen Regenwetters um eine Woche verschoben werden. Im Festbericht ist unter anderem zu lesen: Trotz nochmaliger unsicherer Witterung nahm das Jubiläumsfest doch noch einen guten Ausgang. Lehrer Seiler richtete treffliche, warme Worte an die grosse, lautlos lauschende Festgemeinde und ein kurzer Regen nach 14 Uhr wurde durch die Macht der Töne wieder vertrieben. 

Um die anstehenden Ausgaben des Vereins decken zu können, wurden bereits ab 1907 jedes Jahr eine Abendunterhaltung und, bei günstiger Witterung, ein Waldfest durchgeführt. In jedes Jahresprogramm gehörte auch die obligate Sylvesterfeier, zusammen mit der Bevölkerung, in der Kirche und nachher in den Wirtschaften.

Auch diese Periode wurde überschattet von den dunklen Wolken des zweiten Weltkrieges. Weit kleinere Probleme gab es auch in der Musikgesellschaft. So ist fast in jedem Jahresbericht zu lesen, dass die Mitglieder zu vermehrtem Üben und zu pünktlichem Probenbesuch aufgefordert werden. Ein Präsident klagt auch: Wir bilden Jünglinge aus, und diese kehren dem Verein nach kurzer Zeit den Rücken.

Im Jahre 1939 wünschte der Lehrer, der den unteren Stock des Schulhauses bewohnte, dass die Proben während des Sommers im Ochsensaal abgehalten werden sollten. Die Schulgemeinde bezahlte, nach heftiger Intervention der Musikgesellschaft, dem Ochsenwirt Fr. 30.- Saalmiete pro Sommer.

1956 wurde die über 30-jährige grüne Uniform durch eine dunkelblaue ersetzt.


1957-1982

Die neue „Blaue“ wurde 1957 im Mai am Kreismusiktag, im Juni am Eidgenössischen Musikfest in Zürich und natürlich im Juli, anlässlich des 75-jährigen Jubiläums der Musikgesellschaft stolz getragen. 

An diesem Fest wurde auch die erste Fahne (unsere heutige) geweiht. Aus dem Festbericht geht hervor, dass noch vier der Gründungsmitglieder als aktive Musikanten daran teilnehmen konnten. Karl Wismer schrieb: Der Präsident der Patensektion Affeltrangen überreichte dem ersten Fähnrich und OK Präsidenten Jakob Greminger mit einigen Worten der Treue zur Fahne unser neues Vereinsbanner. Der Musikgesellschaft Märwil Glück auf ins zweite Halbjahrhundert. 

Ein Jahr später, an der Jahresversammlung 1958, wurde der junge, strebsame Max Sutter einstimmig zum neuen Dirigenten gewählt, und der Kandidat Heinz Halter wurde rückwirkend auf 1. Januar in den Verein aufgenommen. Anschliessend an die Versammlung, so der Schreiber, folgte das obligate „Schübligbankett“. 

Diese Periode trug den Stempel des Dirigenten Max Sutter. Es wurden neben Proben, Ständchen, Teilnahme an Musikfesten auch Reisen unternommen. Auszug aus einem Bericht über die Musikreise nach St. Moritz: Jeder bestellte natürlich ein grosses Bier aus den Steinkrügen. Bald rief mein Nachbar: Zahle, was choschted do die 2 Bierli, Fräulein? 4 Franke 40 Rappe. Jo halt, ich zahle nöd alli Bier, bloss mini zwaa. Das Fräulein sagte: Das ist schon recht. Mein Nachbar blickte mit kreisenden Augen auf seinen leeren Kübel und meinte: Da isch jo verruckt. 

Da die blaue Uniform in die Jahre gekommen und genügend Geld in der Kasse war, wurde anlässlich des Schützenfestes 1975 die neue, senfgelbe Uniform eingeweiht.


1982-2007

Im Vorwort zum Festführer, anlässlich des 75-jährigen Jubiläums, schrieb der damalige Gemeindeammann Arthur Högger, der zugleich auch OK Präsident des Festes war: Es entspricht der Märwiler Tradition, einen solchen Geburtstag mit einem tollen Fest zu feiern. 

Trotz des anfangs misslichen Wetters ging der grosse Anlass in der Festhütte, südlich des Schulhauses, harmonisch und rund über die Bühne. 

Im Jahresbericht 1983 ist zu lesen, dass die MG Märwil auf 39 Mitglieder angewachsen ist, ein Bestand von dem man heute nur träumen kann. 

An der GV 1987 wurden die Aktivmitglieder Hans Früh und Karl Wismer vom Vizepräsidenten des eidgen. Musikverbandes für 60 Jahre Mitgliedschaft im Musikverein geehrt. Diese beiden Männer machten nicht „nur“ Musik, sondern hatten im Verein auch viele andere Aufgaben übernommen. 

Der langjährige Dirigent, Max Sutter, dachte ans Aufhören. Er bat den Vorstand und die Mitglieder, Augen und Ohren offen zu halten für einen Nachfolger. 

Am 10. Dezember 1991 stand Geri Kuhn aus Wängi am Dirigentenpult, und die 33-jährige Max Sutter Ära wurde an der GV 1992 gewürdigt. Unsere Jungbläserausbildung, die Max Sutter ebenfalls über lange Jahre betreut hatte, war schon vor einiger Zeit von Ernst Sommer übernommen worden. 

Dass das Jahr 1993 mit einem Neujahrskonzert begann, hatte seinen besonderen Grund. Unter dem Vorsitz von OK Präsident Walter Schmitt fanden auch im Verlauf des Jahres verschiedene Veranstaltungen statt. Die Mitglieder der MG Märwil sollten neue Instrumente erhalten. Dank grosszügigen Spenden konnten diese finanziert und mit einem Fest im September vorgestellt und eingeweiht werden. 

In Anbetracht der in die Jahre gekommenen gelben Uniformen und des Bestandes der Kasse durfte sich die Musikgesellschaft im September 1995 neu einkleiden und diesmal in rot. 

Wie nahe Feste feiern und Trauer tragen beieinander liegen, erlebten die Mitglieder der MG Märwil kurz darauf. Sie verloren infolge einer schweren Krankheit und eines tragischen Unglücksfalles ihre beiden treuen Bassisten Hermann Aemmer und Bruno Meyenberger. 

Der schwindende Mitgliederbestand und die Anregung der kantonalen Musikkommission führten zur Umbesetzung in die Kategorie Brass Band. 

Als Geri Kuhn nach sechsjähriger Tätigkeit den Dirigentenstab nieder legte, spürte auch die MG Märwil, was es heisst, ständig auf Dirigentensuche zu sein. 

Nach einigen Jahren übernahm Markus Fisch, der sich in der Brass Band Szene auskennt, die Leitung. Es gelang ihm, die Musikanten für die Brass Band Literatur zu begeistern und sogar zur zweimaligen, erfolgreichen Teilnahme am Brass Band Wettbewerb in Montreux zu motivieren. 

Ein weiterer Höhepunkt war der erste Rang in der 3. Klasse Kategorie Brass Band am Kantonalen Musikfest in Amriswil. Als Markus Fisch nach fünf Jahren den Verein verliess, hatte die MG Märwil wieder Glück, in Peter Brunner einen musikalischen Leiter zu finden, der den Klang der Brass Band liebt und auch Bläser und Bläserinnen mitreissen kann.


Anmerkung

Im Stillen danke ich den vielen Verfassern der Berichte und Protokolle . Durch ihre Arbeit sind uns schriftliche Dokumente über eine Zeitspanne von hundert Jahren erhalten geblieben. Oft habe ich in meiner Zusammenfassung Worte und Ausdrücke der damaligen Zeit verwendet. Schrieb ich ganze Sätze aus den Schriftstücken ab, sind sie kursiv gedruckt.

Maja Böckli